Heute war der zweite Teil der Mitgliederversammlung des HSV, auf der es u.a. um die Anträge zur Fernwahl und Verkleinerung des Aufsichtsrats gehen sollte und ging. Meine Meinung dazu schreibe ich vielleicht später auf, aber vorher möchte ich etwas anderes, viel grundlegenderes festhalten:
- Zu Höchstzeiten waren heute um die 580 stimmberechtigte Mitglieder anwesend. Der Verein hat insgesamt 71.000 Mitglieder, von denen sind wohl um die 53.000 stimmberechtigt, wenn ich das heute alles richtig verstanden habe. Das heißt, jeglicher Beschluss dieser Veranstaltung fußt auf dem Votum von knapp 1% der Mitgliedschaft. Wer kann sich anhand dieser Zahlen ernsthaft legitimiert fühlen etwas umzusetzen? Das ist noch nicht mal eine statistisch relevante Größe, dafür bräuchte es mindestens 10, wenn nicht gar 20% der Mitglieder.
- Es wurden eine Vielzahl von Satzungsänderungen beschlossen. Häufig ging es dabei um das Entfernen von Kommata, Klammern und/oder dem Feinschliff an vereinzelten Formulierungen. Das ist legitime und wichtige Arbeit. Über die Entfernung von Kommata von knapp 500 Mitgliedern abstimmen zu lassen entbehrt nicht einer gewissen Komik und sagt vielleicht mehr über den Zustand des HSV im Jahr 2012 aus als vieles andere. Wenn man aber bedenkt, dass theoretisch das ganze Stadion mit stimmberechtigten Mitgliedern hätte gefüllt werden können, dann muss man zu der Erkenntnis kommen, dass der HSV nicht mehr zeitgemäß organisiert ist. Für solche Themen sollte es Fachgremien geben (und gibt es offensichtlich auch, irgendwo müssen diese Vorschläge ja herkommen), über die Richtigkeit der von diesen Gremien erarbeiteten Vorschläge sollen dann die Abteilungsleitungen, der Vorstand oder meinetwegen auch der Aufsichtsrat entscheiden.
Die aktuelle Art der Entscheidungsfindung mag für den Kegelverein um die Ecke funktionieren, aber sie skaliert einfach nicht auf die Dimensionen in denen sich der HSV bewegt, sowohl was die Menge der Mitglieder als auch die finanziellen Größenordnungen betrifft. Wer diesen Zustand dann auch noch “beneidenswerte Vereinskultur” nennt, der lügt sich selber in die Tasche und verkennt das der HSV auf dem besten Weg ist sich sein eigenes Grab zu schaufeln.
- Es gab eine für mich bezeichnende Abstimmung. Der Vorstand kann zu gewissen Themen die das Gelände in Ochsenzoll betreffen nicht mehr frei entscheiden, sondern muss sich seine Vorhaben von der Mitgliederversammlung genehmigen lassen. Konkret ging es um die Eintragung einer Grundschuld auf das Gelände, um die Baumaßnahmen zu finanzieren. Da wurde “von ein paar Millionen” gesprochen, der Sachverhalt wurde kaum erläutert und dann kam es zur Abstimmung. Zu diesem Zeitpunkt waren nur noch knapp über 300 Leute da und sie stimmten auch zu. Aber kaum einer wird wirklich verstanden haben worum es bei dem Antrag ging und was das für Konsequenzen hat. Das ist eine reine Alibi-Abstimmung gewesen, die niemandem nutzt. Der Vorstand kann das machen was er sowieso wollte, musste aber einen unnötigen Umweg gehen. Die Mitglieder haben keine nennenswerten Mehr-Informationen bekommen und einen Antrag, der die meisten wahrscheinlich nicht interessierte, einfach durchgewunken. So etwas braucht keiner und so einen Quatsch sollte man auch schnell wieder aus der Satzung streichen. Auch hier wieder: Solche Vorhaben sollten intern von Fachleuten diskutiert und beschlossen werden, aber nicht vor einigen Hundert Pappnasen (und da schließe ich mich selbst ein). Das ist schlicht der falsche Ort für solche Themen. Wer das nicht einsieht wird den HSV bald an einem falschen Ort, nämlich der 2. Liga wiederfinden.